MGF-Gymnasium ist federführende Schule im Cluster
Am Ende des Schuljahres kam der Bescheid der Deutschen Stiftung Denkmalsschutz, der mehr als eine kleine Sensation ist: Das vom Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasium in Kooperation mit der Oberen Schule und dem Beruflichen Schulzentrum Kulmbach entwickelte Konzept ist in der renommierten Ausschreibung „denkmal aktiv– Kulturerbe macht Schule“ erfolgreich gewesen. Damit ist das Projekt, das unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten und der UNESCO steht, eines von nur 12, die 2004/2005 bundesweit gefördert werden. Das Dekanat Kulmbach und die beteiligten Schulen versprechen sich eine größere Bekanntheit des bedeutenden denkmalgeschützten Gebäudes, das offensichtlich auf den Fundamenten der Synagoge aus dem 14. Jahrhundert errichtet worden ist.
Die Umsetzung des Gemeinschaftsprojektes soll am Anfang des neuen Schuljahres beginnen: Am 12. September 2004, am Tag des offenen Denkmals, besteht für die Öffentlichkeit erstmals die Möglichkeit, das bei dem Umbau entdeckte Kellergewölbe zu besichtigen. Schülerinnen und Schüler des MGFs, die bei der Einweihung des Burgguts im Dezember vergangenen Jahres die Ausstellung „Jüdisches Leben in Kulmbach“ gezeigt haben, werden dazu Führungen anbieten. In Unterrichtsprojekten der Fächer Kunst und Geschichte(Arnold Medved und Wolfgang Schoberth) sollen die bisher ungelösten Rätsel des ehemaligen markgräflichen Burgguts und des Vorgängerbaus angepackt werden: speziell die Datierung und Bestimmung des mysteriösen Kellergewölbes und des Hausbrunnens, Klärung der Baumeisterfrage und der Steinmetzzeichen am hofseitigen Torbogen des Westflügels (Caspar Vischer oder Caspar Brunnwasser). Weiterhin möchte man sich mit dem Gestaltungs- und Nutzungskonzept des dem Burggut vorgelagerten Areals, ehemals „Judenplatz“, beschäftigen. Der intime Platz am Rande der Stadtmauer leidet an seiner Unbelebtheit.
In einem Ideenwettbewerb der Schülerinnen und Schüler der 11. Klassen sollen Urbanisierungs-Modelle entwickelt und in einer Ausstellung in der Torhalle des Burgguts präsentiert werden.
Die Obere Schule ist mit der 5. und 6. Hauptschulklasse an dem Projekt beteiligt. Im Rahmen des fächerübergreifenden Geschichte-Sozialkunde-Erdkundeunterrichts ist eine bau- und stilgeschichtliche Erfassung sämtlicher denkmalgeschützter Gebäude in der Kulmbacher Innenstadt vorgesehen, die Helmuth Breitenfelder und Fred Jansch medientechnisch aufbereiten und dem Medienzentrum Kulmbach als DVD zur Verfügung stellen werden.
Seitens des Beruflichen Schulzentrums unterstützen Bautechniker der Fachschule zusammen mit Dipl. Ing. Alex Küfner, der durch die Baubefundsaufnahme und Vermessung der Stiftskirche Himmelkron Erfahrung mit historischer Bausubstanz hat, das Schulprojekt. Hartmut Schuberth fällt die Aufgabe zu, im Rahmen einer Unterrichtssequenz Überlegungen zu entwickeln, wie man die Existenz einer frühen jüdischen Gemeinde zwischen Heilingschwert- und Fronfesteturm und die nicht selten leidvolle Geschichte ihrer Mitglieder, aber auch ihren Beitrag zu unserem gemeinsamen kulturellen Erbe, stärker ins öffentliche Bewusstsein heben kann. Gezielte Öffentlichkeitsarbeit zur Errichtung eines Erinnerungsmals an jüdisches Leben in Kulmbach vor dem Burggut ist ein Ansatzpunkt hierfür. Die Suche nach der Bedeutung des jüdischen Teils unserer Kulmbacher Bevölkerung in der Vergangenheit, die Auseinandersetzung mit dessen Kultur ist ein Weg zur Vermittlung interkultureller Kompetenz, die in einer immer mehr voneinander abhängigen Welt zu einer der Schlüsselqualifikationen und einem integrativen Bestandteil von Schulkultur gehört.
Der Kerngedanke des UNESCO-Projekts ist Kooperation, Vernetzung und grenzüberschreitende Projektarbeit. Entsprechend wird sich das Schulteam auch um die Zusammenarbeit mit fachlichen Partnern bemühen. An erster Stelle ist hier das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege zu nennen, das auch die langjährigen Sanierungsarbeiten des Burgguts begleitet hat.
Auch mit dem Lehrstuhl für Bauforschung und Denkmalpflege an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg sind bereits Kontakte hergestellt. Harald Stark, Kastellan der Plassenburg und ausgewiesener Experte der Burgenforschung, soll ebenfalls um Unterstützung gebeten werden.
Wolfgang Schoberth
