Eingebundene Schülerschaft

Wenn man das gleiche Schuljahr 1934/1935 heranzieht, um zu überprüfen, wieviele Schüler der Realschule Mitglieder in den nationalsozialistischen Jugendorganisationen waren, so ergibt sich nach der Statistik des schulinternen Jahresberichts unter dem Kapitel "Schulzucht" folgendes Bild:

Insgesamt waren für die 6 Klassen 189 Schüler eingeschrieben. In der 1. Klasse (Schülerzahl: 25) waren 25 im "Deutschen Jungvolk" (DJV), in der 2. Klasse (33 Schüler) 2 in der "Hitlerjugend" (HJ), 27 im DJV, in der 3. Klasse (37 Schüler) 5 in der HJ, 27 im DJV, in der 4. Klasse (36 Schüler) 13 in der HJ, 20 im DJV, in der 5. Klasse (38 Schüler) 20 in der HJ, 10 im DJV, und in der 6. Klasse (20 Schüler) 13 in der HJ, 6 im DJV. Damit sind 168 Schüler (53 in der HJ, 115 im DJV) im 2. Jahr nach der "Machtergreifung" Mitglieder in den gleichgeschalteten NS-Jugendverbänden, was einem Anteil von 88% an der Gesamtschülerschaft entspricht. Ein Jahr später, wie man dem Jahresbericht von 1936 entnehmen kann, waren nur 4 Schüler keine Mitglieder der HJ und DVJ, was einem Prozentsatz von 97,91 entspricht. Dadurch wurde, wie durch ein Schreiben der Gebietsleitung der NSDAP hervorgeht, der Schule die "Ehre" zur Hissung der HJ-Flagge zuerkannt. Der feierliche Akt fand in Anwesenheit des HJ- und DJV-Führers am 6. März 1936 statt. Zu betonen ist allerdings, daß man bei dieser Prozentzahl nicht unbedingt auf eine ideologische Überzeugung der Mitglieder schließen kann, da verschiedene Jugendgruppen, wie etwa die "Pfadfinder" oder der BK (Bibelkreis), schon kurze Zeit nach der "Machtergreifung" ohne Zutun der Betroffenen in die NS-Jugendorganisationen inkorporiert worden sind.

Hitlerjugend auf dem Kulmbacher Marktplatz
Bund Deutscher Mädels in Kulmbach

Ein Engagement der Jugendlichen wurde von der Schule mit dem Beginn der neuen Ära offensiv propagiert, wie man anhand des folgenden Auszugs aus dem 42. Jahresbericht der Realschule des Schuljahres 1933/1934 (S. 12) ersehen kann:

"Das abgelaufene Jahr, das uns den siegreichen Durchbruch einer neuen geistigen Weltanschauung, einer neuen Lebensauffassung brachte und das mit seinen alles bisherige Maß weit hinter sich lassenden Massenkundgebungen die deutsche Volkswerdung sieghaft vor Augen führte, zog auch die Schule in seinen Bann. Wo es sich um den Aufbau einer neuen glücklichen Zukunft handelt, darf die nicht fehlen, für die dieser Aufbau in erster Linie bestimmt ist, die Jugend, die dieses kostbare Erbe dereinst zu übernehmen hat, um es zu erhalten, zu festigen und auszubauen. Mit verschwindend geringen Ausnahmen hat sich die Schülerschaft der Hitlerjugend oder dem Jungvolk in der HJ angeschlossen, um sich freudig der neu geschaffenen Volksgemeinschaft einzugliedern.."

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