Ab 1937 zeigen die Protokolle der Lehrerratssitzungen und Fachsitzungen einen qualitativen Sprung: äußerlich tritt er zum Beispiel dadurch hervor, daß die Titulatur "Kollege" oder "Lehrerschaft" durch die Bezeichnung "Kamerad" ersetzt wird. Zeitlich geht dies einher mit der Bestellung von Studienrat Hans Ludwig zum Leiter der Realschule. Dieser, der durch sein Engagement für die NSDAP und durch seine persönlichen Kontakte zur Kulmbacher Parteiprominenz, wie zum Bürgermeister Fritz Schuberth und seinem Stellvertreter Conrad Hain, als ehemaliger Traunsteiner Lehrer Karriere gemacht hat, versucht an seiner neuen Schule mit seinem Stellvertreter Dr. Hans Günther im Sinne der NS-Ideologie zu wirken. In den Fachschaftsprotokollen zeigt sich der neue Kurs daran, daß ab jetzt bis etwa 1940 unverblümt der Rassismus, Sozialdarwinismus und das Führerprinzip propagiert wird. Damit ist allerdings noch nicht geklärt, ob diese Ideologeme vorwiegend eine "Schaufensterfunktion" für die staatlichen Kontrollinstanzen hatten, oder ob sie ungebrochen in den Unterricht eingegangen sind. Befragt man heute ehemalige Schüler und Lehrer zu ihren Erfahrungen in dieser Zeit, so erinnern sie unterschiedlich: ehemalige Lehrer betonen, daß man trotz aller Zwänge "anständig" geblieben sei, daß man viele Vorgaben "nur formal nach außen" erfüllt, sich nur der damals "üblichen Standardredewendungen" bedient habe, ohne daß man mit den Inhalten ernst gemacht habe. Bis auf "wenige Scharfmacher" im Kollegium wie Studienprofessor Ernst Puchtler, Studienrat Joseph Ludwig Meier und eben dem Anstaltsleiter Hans Ludwig, sei ein weitgehend "unpolitischer Unterricht" abgehalten worden. Ehemalige Schüler bestätigen diese Aussagen nur teilweise, sie verweisen aber vor allem auf eine deutschnationale Begeisterung, einen Hurra-Patriotismus, der auch im Unterricht von ursprünglich nationalliberal oder demokratisch eingestellten Lehrern eine bedenkliche Annäherung an die Rassenlehre des Nationalsozialismus gebracht habe.
Daß auch eine frühere sozialdemokratische Parteimitgliedschaft nicht vor einer "strammen Gesinnung" schützt, zeigt der Fall des Studienrats Friedrich Wollenweber, der nach Darstellung vieler ehemaliger Schüler als "sadistischer Schleifer" berüchtigt ist, der seinen Sportunterricht bis zu seiner Versetzung im Mai 1933 nach Nürnberg, die auf eigenem Wunsch erfolgt, zu einem paramilitärischen Drill umfunktioniert. Bei dem Training mit Eisenstangen und Hanteln müssen sich die Schüler bis zur Erschöpfung verausgaben und übergeben sich dabei nicht selten. Unter seinen Nachfolgern,den Studienassessoren Ludwig Müller und danach Wilhelm (?) Ecker, wird jedoch diese Schärfe aufgegeben.
So historisch unzuverlässig manchmal die Befragung von damaligen Zeitzeugen ist, so eindeutig ist das schriftliche Quellenmaterial, auch wenn man es unter der Prämisse liest, daß die Papiere Verlautbarungscharakter nach außen tragen. So heißt es etwa im Protokoll der 2. Lehrerratssitzung vom 23. April 1937:
"Dr. Günter (der damalige kommissarische Chef der Realschule, W.S.) berichtet über den gegenwärtigen Stand der Erziehung und des Unterrichtes an der Anstalt. Er kommt unter Zustimmung der Kameraden zu der Feststellung, dass die in der angeführten Bekanntmachung veröffentlichten Grundsätze an der Schule beachtet werden. Die Schüler werden von allen Lehrern und in allen Unterrichtsgegenständen im nationalsozialistischen Geist erzogen. Der gesamte Unterricht wird nach den erlassenen Richtlinien erteilt. Es wird beschlossen, in Fachsitzungen die neuen Erziehungs- und Unterrichtsgrundsätze eingehend in ihren Auswirkungen auf die verschiedenen Lehrfächer zu behandeln..."
Die Konsequenz dieser Entschließung ist, daß in der Folgezeit Fachsitzungen an der Realschule abgehalten werden, deren Niederschriften ein Destillat der NS-Gedankenwelt darstellen. Bei diesen Veranstaltungen sind nicht nur die Mitglieder der jeweiligen Fachschaft anwesend, sondern der Anstaltsleiter und sämtliche hauptamtliche Lehrkräfte. Auch der naturwissenschaftliche Fächerkanon ist vor einer ideologischen Einvernahmung nicht gefeit. Einige Beispiele mögen dies veranschaulichen:
"Aus den Grundwerten nationalsozialistischer Weltanschauung: Rasse, Wehr, Volksgemeinschaft und Führertum, leiten sich die Ziele unserer Leibeserziehung ab. Rasse ist durch arteigene, zum mindesten nicht dem rassischen Empfinden widersprechende Übungen Ausgangspunkt, und dadurch, daß durch die Leibesübungen ein gesunder, leistungsfähiger Körper herangebildet wird, auch zum Ziel unserer Leibesübungen geworden. Der Sinn für Volksgemeinschaft (Unterordung, Ritterlichkeit, Kameradschaft) wird in den Spielen, dem Riegenturnen und in allen Mannschaftskämpfen den Schülern anerzogen. (...) Augenfälligster Gesichtspunkt unseres Erziehungszieles ist die Erziehung zur Wehrfähigkeit. Nach der charakterlichen Seite (Mut, Schneid, Härte) erziehen vor allem die großen Kampfspiele und Boxen..." (Vortrag von Stud.Ass.Ecker am 25. Februar 1938)
"(Stud.Rat Ludwig) legte dar, daß die nationalsozialistische Revolution als eine Umwertung aller Werte vor der Geschichte nicht haltmache, sondern auch hier ihren neu errungenen Wertmesser anlege. Unter dem Gesichtspunkt der beiden Werte 'Blut' und 'Boden' werde die Geschichte fortan ein anderes Gesicht zeigen..." (Fachsitzung Geschichte vom 1. Juli 1937)
"Auch der einzelne wirtschaftende Mensch muß sich in das Volksganze, in die Volksgemeinschaft einordnen. Dieser Standpunkt verlangt von jedem wirtschaftenden Menschen als oberste Pflicht Einordnung und Dienst an der Volksgemeinschaft, Opferbereitschaft gegenüber der Volksgesamtheit. (...) Da die Arbeitskraft des einzelnen Eigentum der Gesamtheit ist, betrachtet es der Staat als eine seiner wichtigsten Aufgaben, diese Arbeitskraft durch gesetzgeberische und organisatorische Maßnahmen zu erhalten und die Leistung noch zu steigern..." (Fachsitzung Wirtschaftslehre vom 11. Februar 1938)
In einem Vortrag zum Thema "Sprache und Nation" wird zunächst in einer panoramatischen Weite der "sprachlichen Schicksalskampf" bei den Griechen und Römern entwickelt. Danach wird dieser Aspekt auf sehr oberflächliche Weise bei den Germanen skizziert, um mit folgender Wendung zu enden: "Die Eingliederung des sudetendeutschen Landes ist also eine Folge der nationalen und sprachlichen Eigenart, des politischen Rassebewusstseins und des idealen Form- und Erhaltungstriebes. Das gemeinsame völkische Erleben in der Volksgeschichte ist die gestaltende Macht, welche die Sprachentwicklung vorwärts treibt." (Vortrag Stud.Ass. Roetzer in der Fachsitzung Deutsch am 20. Oktober 1938)
Unter dem Thema "Nationalsozialistische Kunsterziehung" entwickelt Stud.Ass. Alfred Födransperg, ein begnadeter Zeichner, wie selbst Kritiker zugestehen, der zusammen mit dem Architekten und Schriftschöpfer Ludwig Spitzenpfeil die in der Ära des Nationalsozialismus weitverbreitete, auch auf der Schreibmaschine eingeführte gotische Fraktur geschaffen hat, sein Kunstverständnis: "Die Fachgruppen des vom Staat getragenen, auf die Einheit der nationalsozialistischen Weltanschauung ausgerichteten Lehrgebäudes sind: die unpersönlichen Fächer: Erdkunde, Physik, Chemie und die persönlichen Fächer mit der Forderung zum weltanschaulichen Bekenntnis: Rassenkunde und Geschichte; die Kunsterziehung ist hier anzuschließen. Der Aufgabenbereich der Kunsterziehung an der höheren Schule hat sich wesentlich erweitert. Das Aufzeigen des rassemäßigen Wunschbildes an Werken der bildenden Kunst ist eine Aufgabe kunsterzieherischer Betrachtung geworden..." (Fachsitzung Kunsterziehung am 18. Februar 1938)
Stud.Ass Lenhard referiert über die "National- und wehrpolitische Erziehung im Mathematik-und Physikunterricht":"Aus der Tatsache, daß die starren Gesetze der Mathematik und der Naturwissenschaften unerbittlich sind, darf nicht der falsche Schluß gezogen werden, daß in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern keine nationalpolitische Erziehung der Jugend ist. Im Gegenteil ergibt sich, wie der Vortragende aufzeigte, in diesen Fächern eine Fülle nationalpolitischer Erziehungsmöglichkeiten.(...) Die Jugend muß einen Einblick gewinnen, wie nordisch-germanischer Forschergeist immer mehr in die Gesetzmäßigkeiten des Kosmos eingedrungen ist und uns allmählich geistig befreit hat. (...) Dann ging der Vortragende ausführlicher auf die wehrpolitische Erziehung unserer Jugend im Mathematik- und Physikunterricht ein. Er zeigte auf, wie in fast allen Teilgebieten der Mathematik und der Physik, so in der Geometrie, Trigonometrie, Akustik, Elektrizitätslehre, Flugphysik, Schießlehre, Meteorologie wehrpolitische Probleme in großer Fülle besprochen werden können. (...) Wenn der Mathematik- und Physikunterricht so die technischen Mittel und Wege zeigt, wie deutscher Boden und deutsches Leben vor feindlichem Zugriff geschützt werden können, dann wird er neben dem Wehrwillen auch die Wehrkräfte wecken und so bei der Erziehung der deutschen Jugend zur Wehrhaftigkeit eine ausschlaggebende Rolle spielen." (Vortrag in der Fachsitzung Mathematik und Physik am 4. März 1938)