Den meisten ist das KDM egal

Umfrage: Passanten zeigten sich desinteressiert. Dagegen wurde im Kulmbacher Rathaus ein Arbeitskreis gebildet

Durch Befragungen von Prominenten und zufälligen Passanten wollten wir uns ein Meinungsbild zur zukünftigen Nutzung des KDMs verschaffen.

Plan Front
Plan der Frant des KDM von Architeckt Heiz Liebermann

Zunächst interviewten wir Rolf Liebermann, den Sohn des verstorbenen KDM-Architekten Heinz Liebermann, der heute das Architekturbüro in Coburg weiter führt Er gibt uns bereitwillig zur „Planungsphilosophie“ seines Vaters Auskunft und versucht Verständnis für das Gebäude zu wecken. Doch seine Begeisterung hält sich offensichtlich in Grenzen:
„Ein Kaufhausgebäude aus den 60er-Jahren entspricht nicht mehr dem Anspruch einer Gesellschaftsform des Jahres 2007. In den Jahren des Wiederaufbaus und des steigenden wirtschaftlichen Wohlstandes waren Funktions- und Nutz­flächen gefragt, die mit den seinerzeit technischen Möglichkeiten in kurzer Bauzeit um­setzbar waren. Der Baustoff „Stahlbeton“ als der „Jahrhundertbaustoff“ bezeichnet, ließ große Spannweiten, wenige Stützenanordnungen und einen unkomplizierten Geschossbau zu“. Weiterhin weist Rolf Liebermann darauf hin, dass damals Rasterbau­ten als wegweisend galten. Der Architekt plädiert für eine kreative Gesamterneuerung des Gebäudes, unter anderem mit einem Öffnen der Fassade.

Seitenansicht
Die Seite zum Schießgraben im Bauplan

Auch die beiden Grünen-Politiker Jürgen Öhrlein und Volker Wack befragten wir nach ihrer Einschätzung. „Das KDM war bereits bei seiner Erstellung eine Bausünde“, meint Öhrlein. Eine Sanierung hält er nicht mehr sinnvoll. Das Gebäude sollte abgerissen werden und durch eine „Haus mit Ausstrahlung, mit Eigenleben und einer dazu passenden Architektur ersetzt werden.“ Seine Idee ist, das alte Namenskürzel in „Kulmbach denkt modern“ umzutaufen und als Pilot-Projekt ein Superenergiespar-Gebäude zu errichten, in dem zum Beispiel ein Biokost-Restaurant, ein Kindercafe, Geschäfte mit zukunftsorientierten Angeboten und eine Kleinkunstbühne einziehen sollten.
Volker Wack gibt ebenfalls dem KDM keine Zukunft. Er hofft auf einen Investor für einen Neubau, der sich allerdings in das vorhandene Altstadtensemble einfügen müsste. Wie  Öhrlein setzt er auf  ökologisch intelligente Technik wie Solarnutzung und Dachterrassen. Insgesamt plädiert das Stadtratsmitglied dafür, das Wohnen in Kulmbachs Innenstadt wieder attraktiv zu machen.

Was der Normalbürger von dem Monstrum hält, versuchten wir durch eine Befragung von 50 Passanten unterschiedlichen Alters in der Kulmbacher Fußgängerzone herauszufinden. Der ernüchternde Befund: das KDM ist den meisten schlichtweg egal. Die überwiegende Zahl spricht sich jedoch für einen Erhalt mit Verschönerungsmaßnahmen aus. Als geeignete Einrichtungen werden von den Befragten hauptsächlich vorgeschlagen: Cafe, Fastfood Restaurant, Videothek und Tanzbar.

Oberbürgermeister Henry Schramm hielt sich bei dem Interview, das wir im Rathaus mit ihm führten, ziemlich bedeckt hinsichtlich der KDM-Zukunftsoptionen. Wir konnten lediglich herausfinden, dass ein größerer „Konzern“ an dem KDM interessiert sei und im Rathaus ein Arbeitskreis gebildet worden sei.
Wo er denn seinen letzten Anzug gekauft habe, wollten wir wissen. Er musste zugeben, dies nicht in der „attraktiven Einkaufsstadt Kulmbach“, so bei der Amtseinführung vor einigen Wochen, getan zu haben, sondern seine Frau haben ihn in München gekauft.