Johannes Kepler
wurde am 27. Dezember 1571 in Weil, einer kleinen Stadt in Württemberg,
geboren. Sein Vater kümmerte sich kaum um ihn. Er war in dieser unruhigen Zeit jahrelang mit
Landsknechtsheeren unterwegs. Bekannt ist aus der Kindheit nur, dass Kepler als armer Stipendiat das
Gymnasium in Maulbronn besuchte und anschließend an der württembergischen Landesuniversität in
Tübingen studierte. Hier beschäftigte sich Kepler mit lutherischer Theologie, Mathematik und
Astronomie. Hier lernte er auch die Lehre des Kopernikus kennen und wurde schnell zu einem
Anhänger dieser Lehre, die damals keineswegs allgemein anerkannt war. Insbesondere wurde sie von der
Kirche scharf angegriffen, weil sie kirchlichen Dogmen von der Zentralstellung der Erde widersprach.
Noch vor Abschluss seiner theologischen Studien wurde Kepler nach Graz geschickt, um dort als
protestantische Lehrkraft zu wirken. So wurde er 1594 "Lehrer der Mathematik und Moral" am
Gymnasium in Graz und zugleich Mathematiker der neuen protestantischen Landesregierung. Damit hatte
er die Pflicht, jährlich einen amtlichen Kalender auszuarbeiten, der auch astronomische Angaben über
Sonne, Mond, Planeten und den Tierkreis, den voraussichtlichen Witterungsablauf und zu erwartende
besondere Ereignisse enthielt. Diese Aufgabe, die auch astronomische Berechnungen erforderte, hat
Kepler nach eigenen Aussagen endgültig zur Astronomie und Mathematik hingeführt.
1599 wurde die Steiermark wieder katholisch und Kepler musste sich nach einer neuen Beschäftigung
umsehen. Er fand sie in Prag bei dem berühmten Astronomen Tycho Brahe (1546-1601), dessen
Mitarbeiter er wurde.
Nach dem Tod von Brahe war Kepler als Hofastronom von Kaiser Rudolf II. in Prag tätig und führte
grundlegende Untersuchungen zu Planetenbewegungen durch.
Der Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges 1618 hat Leben und Arbeit von Johannes Kepler
wesentlich beeinflusst. So musste er zweimal lange Reisen in die Heimatstadt antreten, um seine von den
Protestanten als Hexe angeklagte Mutter vor Folter und Feuertod zu retten.
1628 trat Kepler in die Dienste des kaiserlichen Feldherrn Wallenstein, der ihm als Herzog von
Mecklenburg eine Professur an der Universität in Rostock in Aussicht stellte. Ehe er sie antrat, machte er
sich auf eine weite Reise nach Regensburg, wo der Reichstag versammelt war und er wegen
ausstehender Gehälter vorstellig werden wollte. Geschwächt durch die Reise, starb Johannes Kepler
wenige Tage nach seiner Ankunft im Alter von 59 Jahren in Regensburg.
Seine wissenschaftlichen Leistungen
Bereits 1594 entstand Keplers erstes astronomisches Werk, das unter dem Titel "Mysterium
cosmographicum" (Geheimnis der Weltbeschreibung) herausgegeben wurde. In diesem recht
spekulativem Werk werden die geometrischen Eigenschaften regulärer Körper mit den Abständen der
Planetenbahnen in Verbindung gebracht und daraus der "göttliche Bauplan des Universums" entwickelt.
Nach langen mathematischen Berechnungen fand der junge Kepler einen Zusammenhang zwischen den fünf platonischen Körpern und den Bahnradien
der damals bekannten Planeten. In diesem ersten Werk folgert Kepler sogleich, dass es nicht mehr als sechs Planeten geben kann.
Keplers Sphärenmodell
| Saturn | ||
| UmKugel Inkugel |
Würfel | |
| Jupiter | ||
| UmKugel Inkugel |
Tetraeder | |
| Mars | ||
| UmKugel Inkugel |
Dodekaeder | |
| Erde | ||
| UmKugel Inkugel |
Ikosaeder | |
| Venus | ||
| UmKugel Inkugel |
Oktaeder | |
| Merkur |
Bei Brahe beschäftigte sich Kepler intensiv mit der Berechung von Planetenbahnen, insbesondere der
Berechnung der Marsbahn. Vor allem ging es darum, die Beobachtungsdaten Brahes mit den
Berechnungen in Übereinstimmung zu bringen. Im Ergebnis seiner mehrjährigen Arbeiten erschien 1609
ein Werk unter dem Titel "Astronomia nova" (Die neue Astronomie). In diesem Werk ist die bedeutendste
wissenschaftliche Leistung Keplers dargestellt: Es sind dort die ersten beiden Gesetze der
Planetenbewegung formuliert, die wir heute als 1. und 2. keplersches Gesetz kennen. Während Kepler
in frühen Werken als Ursache der Planetenbewegung himmlische Intelligenzen oder Seelenkräfte als
Ursache annahm, geht er jetzt von magnetischen Kräften aus, die die Sonne ausüben soll.
Neben Untersuchungen zu Planeten beschäftigte sich Kepler auch mit astronomischen Instrumenten.
So entwickelte er ein verbessertes Fernrohr mit zwei Sammellinsen, das wir heute als keplersches
Fernrohr kennen.
1619 erschien das Werk "Die Weltharmonien", in dem das 3. keplersche Gesetz formuliert war. Um seine
grundlegenden Entdeckungen für die Astronomen nutzbar zu machen, widmete sich Kepler in seinen
letzten Lebensjahren der Aufgabe, neue astronomische Tafeln zu berechnen. Der letzte Band der nach
seinem Förderer Rudolf II. benannten "Rudolfinischen Tafeln" erschien in seinem Todesjahr.
Von den Gesetzen der Planetenbewegung bis zur Begründung der Himmelsmechanik war es noch ein
weiter Weg. Die Entdeckungen Keplers wurden von der Mehrheit seiner Fachkollegen keineswegs sofort
anerkannt, sondern häufig nur als Hypothesen angesehen. So hat z. B. Galilei, der die keplerschen
Gesetze kannte, diese mit keinem Wort erwähnt. Entscheidende Schritte der Begründung der
keplerschen Gesetze ging erst Newton (1643-1727) mit der Entdeckung des Gravitationsgesetzes.